Konrad Seeger – ein Meister des Knüpfens

Welttag der Behinderten – Jeder hat seine Talente

Fingerspitzengefühl, Geduld und viel Zeit braucht Konrad Seeger für sein Hobby.

600 Millionen betroffene Kinder, Frauen und Männer stehen am 3. Dezember, dem Welttag der Menschen mit Behinderung, eigentlich im Mittelpunkt. Trotzdem gehört der Gedenktag nicht gerade zu den bekanntesten. Jeder weiß wohl, dass es die unterschiedlichsten Behinderungen gibt, zutrauen tut man den Betroffenen aber in der Regel wenig. Konrad Seeger, der seit 17 Jahren in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung bei den Barmherzigen Brüdern in Reichenbach (Landkreis Cham) lebt, hat ein Talent, für das man ihm durchaus den Titel Meister des Knüpfens verleihen könnte.

Buntes Garn, Knüpfnadeln, eine scharfe Schere und ein gutes Motiv. Das sind die Zutaten, die Konrad Seeger für sein Hobby braucht: das Knüpfen. „Das mache ich schon seit vielen Jahren“, erzählt der 68-Jährige, der seit 17 Jahren im Haus Benedikt lebt. Dort finden sich in seinem Zimmer auch überall Spuren seines Talents: ein kuscheliges Kopfkissen in seinem Bett, die verschiedenen Kartons mit Vorlagen auf einem Beistelltisch und nicht zuletzt die vielen bunten Wollfäden in seinem Schrank.

„Im Moment mache ich einen Läufer“, sagt er und zeigt auf eine Vorlage, die einen Meter lang und einen halben breit ist. Zarte Pastellfarben in rosa, beige und himmelblau hat er dafür gewählt, die er auf geometrische Formen und Linien verteilt. Wer dieses Stück bekommt, weiß er jetzt noch nicht, aber in der Nähe hat er einen begeisterten Abnehmer, für den er auch auf Wunsch Kissen oder kleine Teppiche fertigt.

„Früher hatte ich ja nur am Samstag und Sonntag Zeit“, erzählt der Rentner. Während der Woche arbeitete er bis 2009 in der Johann von Gott-Werkstatt und sorgte dafür, dass die vielen Dübel für die Heizkörpermontage ordentlich für den Versand verpackt wurden. Sein Tagesablauf ist heute natürlich ein anderer, in der ihm viel Zeit fürs Knüpfen bleibt. In der Früh holt er allerdings immer nach dem Frühstück erst seine Freundin vom Bus ab und begleitet sie in die Johann von Gott-Werkstatt. „Aber dann mache ich gleich am Läufer weiter.“ Der große Tisch mit schwerer Arbeitslampe und Radio wartet auf ihn.

Ob das nicht auf die Dauer ein wenig langweilig ist? „Nein, auf keinen Fall!“ Er ist schon noch anderweitig aktiv, wenn gleich nach einer Operation auch ein wenig langsamer. Ist er früher noch regelmäßig bis Nittenau gewandert, reichen ihm heute die Kilometer bis Walderbach. Die Angebote des Erwachsenenbildungsprogramms, das zweimal im Jahr vom Freizeitpädagogen der Einrichtung aufgelegt wird, liest er regelmäßig. „Demnächst fahre ich ins Theater nach Penting, da freu ich mich jetzt schon“, strahlt er. Dort wird im Pfarrheim das Stück „Ärger beim Kronen-Max“ aufgeführt. Und wofür er natürlich immer Zeit hat: mit seiner Freundin in seinem Appartement gemütlich Tee zu trinken.

In der Einrichtung fühlt er sich wohl. Jeder kennt ihn und weiß, dass Konrad nicht nur kreativ und herzlich ist, sondern dass er nach wie vor zupackt, wenn Not am Mann ist. Am Weihnachtsmarkt am vergangenen Wochenende etwa: „Da sammle ich die Gläser ein, fahre sie in die Küche und packe sie in die Spülmaschine.“

Doch zurück zum Knüpfen: „Meine Betreuerin hat mich damals auf die Idee gebracht“. Aus einem Hobby wurde eine echte Begeisterung, für die er heute jede Menge Anerkennung erhält. „Ich arbeite auch auf Wunsch“, lächelt er verschmitzt, um sich seine Rente etwas aufzubessern. Mit viel Geduld und konzentriert knüpft sich Konrad Seeger Stich für Stich durch die Vorlage. Dass er dabei ausgesprochen routiniert vorgeht, liegt sicher nicht zuletzt an seiner jahrelangen Erfahrung. Und eines ist sicher: ohne Knüpfen ginge gar nicht mehr.

 

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