Verantwortung übernehmen und Zusammenhalt leben

Wie Bewohner in den Wohngruppen die Pandemie erleben

Geschlossene Werkstätten und Besuchseinschränkungen für Angehörige stellten den Alltag die letzten Monate völlig auf den Kopf. Viele Bewohnerinnen und Bewohner waren schon Monate nicht mehr zu Hause, verbringen ihren Alltag nur mit ihren Mitbewohnern und dem Personal. Trotz Lockerungen verzichten sie aktuell freiwillig weiterhin auf die geliebten Heimfahrten, um sich und andere zu schützen. Doch was steckt dahinter – wie ergeht es den Betroffenen und wie gehen sie mit dieser Herausforderung eigentlich um? Julia Bankel und Martin Knobloch von der Wohngruppe Haus Nittenau berichten in einem Interview.

Wie ging es dir mit den ganzen Veränderungen?

Julia: Mir ging es am Anfang überhaupt nicht gut. Mir fiel es sehr schwer, dass ich meine Mutter nicht sehen konnte. Außerdem sollten wir nicht mehr zum Einkaufen gehen. Aber ich habe sehr viel mit meinen Mitbewohnern gemacht und wir haben richtig zusammengehalten, weil es jedem von uns gleich ging. Die Telefonate mit meiner Mutter taten mir auch sehr gut. Wir haben außerdem viel Programm in der Wohngruppe.

Was hilft dir durch diese herausfordernde Zeit?

Martin: Mir hilft die Ablenkung. Wir haben in unserer Wohngruppe sehr viele Aktivitäten gemacht, sodass wir viel beschäftigt waren. Sogar ein eigenes Fest haben wir organisiert. Ich bin stolz darauf, dass ich bei so vielen Aktivitäten mitgemacht habe, weil ich ja sonst am Wochenende eigentlich oft heimfahre. Ich verstehe mich jetzt mit einigen Mitbewohnern auch viel besser, weil wir viel mehr gemeinsam gemacht haben als sonst.“

Heimfahrten sind unter der Einhaltung bestimmter Auflagen wieder möglich. Warum wartest du trotzdem lieber noch freiwillig mit den Heimfahrten?

Martin: Ich warte noch mit den Heimfahrten, auch wenn es schon manchmal schwer fällt. Ich möchte aber nicht, dass die gesamte Wohngruppe in Quarantäne muss, wenn ich krank werden sollte. Außerdem möchte ich nicht, dass jemand anderes wegen mir krank wird. Ich halte lieber noch ein wenig aus und freue mich, wenn ich wieder beruhigt nach Hause fahren kann. Ich finde schon, dass wir die Corona-Zeit alle noch etwas durchhalten können, wenn wir zusammenhalten und uns alle an die Regeln halten. Ich wünsche mir, dass wir alle gesund bleiben“

Julia: Ich habe Angst davor, dass ich oder meine Familie krank werden. Mir fällt das schon sehr schwer, aber ich mache lieber kleine Ausflüge mit meiner Mutter und warte noch mit dem Übernachten. Ich bin stolz auf mich, dass ich das schon so lange aushalte.

 

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